Egal ob Sportanfänger oder trainierter Athlet, populäre Fitness-Apps wie „Freeletics“ oder „Sweat“, die zum Beispiel mit der bekannten Lifestyle-Influencerin Kayla Itsines wirbt, können ihre Nutzer leicht zu falschen und übermotivierten Training verleiten. Die Lehrvideos mit den durchtrainierten und superfitten Vorturnern zeigen zwar die richtige Ausübung beim Training, doch ohne fachlich versierte Begleitung und Feedback, fehlt dem Heimsportler die Außenperspektive und ein helfendes korrektiv bei der richtigen Ausführung der Übungen. Das Wissensmagazin „Gut zu wissen“ vom Bayerischen Rundfunk ist in dem sehenswerten Beitrag „Risiko Fitness-App: Welche Fehler Anwender machen“ dieser unterschätzen Gefahr nachgegangen. 

Denn die FitTech-Branche boomt und in gleichem Maße steigt die Anzahl potentieller Verletzungen steil an. Die in der Corona-Pandemie geschlossenen Fitness-Studios und Sportvereine haben diesen Trend weiter befeuert. So konnten die Anbieter im Home-Fitness Segment mit ihren digitalen Sportanwendungen im vergangenen Jahr ein neues Rekordjahr erzielen. Für das Jahr 2020 zählt Statista rund 13,9 Millionen Nutzer von Fitness-Apps die bis zum Jahr 2024 sogar 18,3 Millionen Nutzer wachsen sollen.

In dem TV-Beitrag wird am Beispiel einer Fitness-Anfängerin und eines gut trainierten Amateur Handballspielers gezeigt, wie schnell die Kombination aus unsauber und regelmäßigen falsch ausgeführten Übungen zwangsläufig zu Verletzungen führen. So mussten beide nach einigen Wochen ihr App unterstütztes Training abbrechen und sich wegen schmerzhafter Beschwerden ärztliche Hilfe holen. 

In Anbetracht der immensen Anwenderzahlen birgt die Nutzung der digitalen Sport- und Health-Apps des sogenannten zweiten Gesundheitsmarktes für den einzelnen Nutzer nicht nur statistisch ein immenses Risiko. Die bislang meist vollkommen ungeprüften Trainingsprogramme, mangelnde fachliche Ausbildung der Vorturner, die selten bis überhaupt nicht vorhandenen Feedbacksysteme in den Apps bei den Übungen, in einem komplett unregulierten Digital-Markt bergen letztlich systemische Risiken für das gesamte Gesundheitssystem.